JOHANNS
TAGEBUCH
visuelles
Scroll-Erlebnis
„Ich, Johann Vollmert, bin geboren am 28. Dezember 1890 zu Rönkhausen.“
„Am 13. April 1920 heiratete ich meine Frau Elisabeth, geb. Schmidt aus Niederberndorf, geboren am 24. Dezember 1891 daselbst.“
Tag nach der Hochzeit

Elisabeth & Johann
1920
Ehering von Elisabeth

Gold, keine Inschrift
1920
So beginnt Johann Vollmert seine Familienchronik.
Ein Tagebuch, welches er 56 Jahre lang führt. Von 1920 bis kurz vor seinem Tod 1976.
Tagebuch von Johann

33,9 x 21,3cm
236 beschriebene Seiten Kontorbuch mit französischer Spaltenbeschriftung
später geklebt (vom Sohn) mit grauem Klebeband
1920-1976
Doch die Ehe steht unter keinem guten Stern.
„Elisabeth erkrankte im Monat Juni. Ungefähr einen Monat blieb sie krank. Dr. Schauerte in Letmathe, dem sie überwiesen wurde, konnte keine besondere Krankheit feststellen. Nachdem sie den Homöopathen, den Herrn Pater in Arpe besuchte, genas sie langsam. Im Februar 1921 wurde sie wegen Unterleibsleiden in Hagen in Westfalen von Dr. Hamm operiert.“
Rönkhausen

Blick vom „Bahnhofsberg“
Gemeinde Finnentrop, südliches Sauerland, an der Lenne gelegen
nach 1939
„Elisabeth war wieder 14 Tage lang krank. Trostlose Zukunft! Ich weiß nicht, wie das noch werden wird. Die Zeit vergeht inhaltslos, ohne Freude, Rast und Ruh und Frieden.“
„Mit dem 1. Januar tritt ein neuer Abschnitt für mich an. Die Hauswirtschaft habe ich abgetreten. Alle Hoffnungen meiner Jugend sind damit ins Grab getragen. Ich habe das Erstgeborenenrecht preisgegeben zu Gunsten meines Bruders Wilhelm. Ein ernster, wichtiger Schritt. Aber er ist seit langer Zeit überlegt vorbereitet. Es ging nicht anders. Elisabeth muss nun 20 Höhensonnenbestrahlungen bestehen. Ob sie sich dann bessert? Am 20. nach sieben Sonnen noch keine Besserung.“
„Der 10. April! Ein denkwürdiger Tag. Am Tage, wo in Essen die 13 von den Franzosen erschossenen Arbeiter beerdigt wurden, da brachte uns das Glück unser Töchterchen. Kurz war der Schmerz, aber groß die Freude. Alles verlief sehr gut, glänzend! Nach drei Jahren kehrte endlich das Glück ein. Gott sei gepriesen! Am 15. (Sonntag) wurde unser Kind getauft und erhielt den Namen Brunhilde. Das Fest gestaltete sich zu einem recht frohen, denn das Glück war ja für uns recht groß. Unsere Familie ist also gewachsen.“
Mit Brunhilde zog das Glück ein und es folgen fünf weitere Kinder:
„Am 18. September wurde Otto geboren und am 20. getauft. Er wog 7 Pfund, es verlief alles sehr gut.“
„Am 25. Juni nachts 23:30 Uhr wurde Gisela geboren. Es verlief alles ganz gut. Am 29., am Feste Peter und Paul, wurde Gisela getauft.“
Im September am 2. um 23:00 Uhr wurde Elisabeth geboren und am Sonntag,
den 8. getauft. Alles gut verlaufen.“
Am 10. März wurde Anita um 0:30 Uhr geboren. Es ging alles sehr gut. Witwe Siebert war zugegen und Frau Neuhaus. Am 13. Taufe.“
Am 18. Oktober abends 23:30 Uhr wurde Arnold geboren und am Sonntag, den 22. getauft von Vikar Knauer.“
Vollmert Geschwister

Otto, Anita, Lisa, Gisela & Brunhilde
1933
Erste Heilige Kommunion

Elisabeth, Arnold & Johann
1943
So nimmt nun das
Familienleben der Familie Vollmert
ihren Lauf.
Johann notiert, was in der Welt
und der Politik geschieht.

Über seine Arbeit als Stellwerksmeister
erfahren wir wenig.
Dafür umso mehr über das Wetter.
Das ist wichtig, denn die Familie hat eine kleine Landwirtschaft mit Feldern, Garten, Obstbäumen, Hühnern, zwei Schweinen und einer Kuh.
Zwischen den Zeilen erfahren wir die großen und kleinen Familiengeschichten.
Die Tür
Der Soldat
Die Kuh
Die Laube
Das Grummet
Der Krieg
Die Kirche
Der Sport
Über seine Frau Elisabeth schreibt er wenig.
Aber was auffällt:
sie ist oft krank.
„Gisela macht sich langsam. Elisabeth wieder krank, das alte Leiden.“
„Seit dem 15. ist Elisabeth wieder in Behandlung wegen Magenleiden, von Dr. Bauckhage, 14 Tage Ruhe.“
„Am 3. Juli ist Elisabeth krank geworden (Blutung). In der Nacht vom 5. auf 6. ins Krankenhaus nach Heggen gebracht. Starke Schwächung.
„Elisabeth wurde am 30. Juli die Wucherung im Halse geschnitten.“
„Elisabeth ist seit Anfang des Monats wieder krank und seit dem 17. in Heggen im Krankenhause. Es ist wieder Magenleiden mit Blutungen.
„Elisabeth ist nach Pfingsten wieder krank geworden und am 16. nach Heggen ins Krankenhaus gekommen. Am selben Tage wurde sie operiert. Neuer Magenausgang gemacht und am Verwachsen der Därme. Traurige Zeiten für die ganze Familie.
Und trotzdem ist sie das Zentrum der Familie. Sie kümmert sich um die Kinder, die Tiere und den Haushalt.

Sie bewirtschaftet den Garten und die Felder. Sie pflanzt, sät, hegt und pflegt und erntet die Früchte der Arbeit.
Wenn Johann Sonntags seinen Tagebucheintrag geschrieben hat, macht er oft einen Spaziergang mit „Mutter“, wie er Elisabeth nennt. Sie genießen die Natur und die Zeit zusammen.
Gemeinsam bringen sie ihre sechs Kinder wohlbehalten durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre.
Letztes Familienbild

Otto, Lisa, Anita, Gisela, Brunhilde, Arnold, Elisabeth, Johann
1950
Doch das Unglück bahnt sich an:
Das Jahr 1951 ist ein Auf und Ab.
„Am 21. kam Mutter ins Krankenhaus Heggen. Brustkrebs. Am 12. März wurde sie operiert. Die Operation soll gut und radikal gewesen sein. Noch ist sie schwach. Der Verlauf und das Befinden sollen normal sein. Wir aber beten und bitten Gott, dass es der ärztlichen Kunst gelingen möge, dass sie bald, recht bald gesunden möge.“
„Sonntag, den 15. April. Mutter geht es recht gut, arbeitet wieder im Hause und wird es wärmer, kann sie wieder raus gehen.“
„Sonntag, 8. Juli. Mutter hat Entzündung an den Nerven und ist halb lahm.“„Am Sonntag, den 29. Juli. Mutter ist mal wieder in Heggen. Sie ist einseitig fast gelähmt. Es soll eine Nervenentzündung sein.“
„Am 22. August ist Mutter aus dem Krankenhaus gekommen. Nicht gesund, aber besser.
„Wieder ist Sonntag, der 16. September. Mutter geht es nicht gut. Es geht bergab mit ihr. Alles Opfern und Bitten und Beten hilft scheinbar nicht mehr. Gott will wohl den Kelch nicht vorübergehen lassen. Sie erträgt die Leiden geduldig und gottergeben. Und wir beten und bitten Gott weiter, dass er sie uns erhalten möge. Wir pflegen sie gut und tun, was wir können. Besonders Gisela und Anita tun ihr Möglichstes ihr Leben zu versüßen und ihre Lebenstage zu verlängern. Doch Gottes Wille geschehe.
„Sonntag, den 23. Schwer und bang tönt die Glocke – Grabgesang. Und Mutter liegt auf den Tod darnieder.  Eben war der Arzt noch da. Er sagt: Keine acht Tage mehr hält sie es aus. Nun wissen wir es.
Und was ist nächsten Sonntag?
Jetzt schläft sie viel und so wird sie dann wohl ohne Schmerzen ihr Leben beschließen und zum Vater gehen.“
„Sonntag, den 30. Wieder ist eine Woche schweren Bangens dahingeeilt. Mutter geht es immer schlechter.
Sie nimmt keinen Anteil vom Geschehen. Große Schmerzen hat sie wohl nicht. Speise nimmt sie nicht mehr.
Wir fragen jetzt nicht mehr nach dem „Warum“, sondern fügen uns in Gottes heiligen Willen. Die Kartoffeln, die sie gepflanzt und gelegt hat, haben wir aus, knapp genug. Sie hat nicht mehr danach gefragt, wie sie sind.“
„Mutter ist tot.“
„Große Trauer ist bei uns eingekehrt.
Des Hauses Sonne ist erloschen.
Mutter hat die Augen geschlossen. Sie hat ihre Seele in die Hände des himmlischen Vaters zurückgegeben.“
„Ihr Berge bedeckt uns und ihr Hügel fallet über uns, denn der Schmerz will uns erwürgen.

Nachmittags um 13:15 Uhr schlief sie sanft und Gott ergeben ein. Wir knieten alle am Schmerzenslager, sagten noch einmal „Mutter“, beteten die Sterbegebete und dann… dann tat sie den letzten Atemzug.

Ihre Seele ging himmelwärts. Und wir bleiben in Schmerz versunken an ihrem Lager liegen.“
„Denn wir haben viel, viel, sehr viel, fast alles verloren, die Mutter!“
„Ein teures Mutterherz hat aufgehört zu schlagen.
Tod, du hast eine Wunde geschlagen, die nicht wieder heilt.

Du Gute, du Teure, ich werde nicht eher wieder Ruhe haben, bis ich bei dir bin.“
„Mutter, Oh Mutter du musstest so früh von uns gehen.“
„Dann kam der Totenwagen, die Nachbarn. Noch einmal drückten wir ihre teuren Hände, einen Dank für alles, was sie uns getan…

Und dann schloss der Deckel ihren teuren Leib für diese Welt, unseren Blicken.“
„Mutter, Mutter warum musst du fort von uns?“
„Dann wurde sie in den frisch gestrichenen Totenwagen geladen und dann ging es zum Friedhof, gefolgt von allen Kindern und vielen Verwandten. Und viel Volk folgte.

Dann wurde sie der Erde übergeben. Furchtbar für uns als die drei Schaufeln Erde auf den Sarg fielen.
Wir konnten es nicht nach machen. Wie konnten wir der Mutter Erde nachwerfen? Mags der Totengräber tun.

Mit tiefem Weh im Herzen nahmen wir Abschied.“
„Und dann sind wir allein.
Eine fehlt. Die Mutter.
Herr, Du hast uns hart geschlagen.
Die Sonne hast du uns genommen,
der Mittelpunkt des Hauses fehlt.
Mir fehlt die teure Gattin, den Kindern die treusorgende Mutter.“
„Sonntag, den 7.
Erster Sonntag ohne dich, Mutter. Ich habe dir eben den Morgengruß zugerufen, als ich vorbeikam. Am Sonntag lagst Du noch hier, wo ich sitze, und dieses schreibe. Du sagtest nichts mehr, du lagst ganz ruhig, aber wir hatten dich noch. Nach Mittag kommen wir zu dir und begrüßen dich, am ersten Sonntag, da du in kühler Erde ruhest. Wir beten für dich, um die ewige Ruhe.“
„Sonntag, den 14.
Zweiter Sonntag ohne dich, Mutter. Ach, wie haben wir dich Mutter vermisst. Wir haben Runkeln und anderes geerntet. Deine Hilfe, deine Ratschläge haben gefehlt. Am Werktag lenkt die Arbeit ab, aber am Sonntag fehlst du uns.
Keiner kann mehr fragen: „Mutter wie machen wir dies oder das“. Mutter schweigt. Ja, du liegst in kühler Erde und ruhest. Und wir beten für dich.“
„Sonntag, den 21.
Wieder einen Sonntag, Mutter, ohne dich. Es wäre ja schön gewesen, einen Spaziergang zusammen zu machen. Wir waren wieder bei dir auf dem Friedhof. Wir haben geweint und für dich gebetet, Mutter. Wie einsam fühle ich mich ohne dich, Mutter. Und nun ruhest du in Gottes heiligem Frieden. Ich gönne dir die Ruhe so gern, nur bin ich so einsam und finde erst Ruhe, wenn ich bei dir bin. Doch ich muss noch bei den Kindern bleiben. So wirst du es ja auch wünschen. So will ich denn wieder sorgen, bis ich gut übrig bin, wenn Gott will. Aber dann komme ich zu dir. Dann hole mich ab am großen Tor. Dann sind wir wieder zusammen. Auf diesen Tag sehne ich mich, hörst du, Mutter.“
„Der 28. Nun der vierte Sonntag, Mutter, ohne dich. Ich komme gerade von deinem Grabe, es ist gestern für den Winter geschmückt. Es ist mit dem Moos geschmückt, das du ja kennst. Aus den Tannen von der Astmecke. Ruhe sanft darunter, Mutter, ruhe in Frieden. Wie einsam ist es, Mutter, doch ohne dich. Und grade die Sonntage sind so einsam. Du fehlst zum Spaziergang, zu allem. Mutter, du fehlst uns zu allem und überall, du Mutter.
„Sonntag, den 2. Dezember. Morgen wird es schon neun Wochen, Mutter, da du von uns gingst und uns traurig zurückließest. Deine Erfahrung, Mutter, fehlte. Die Kinder gewöhnen sich langsam daran das du, Mutter, nicht mehr da bist. Aber ich, ich werde mich nie daran gewöhnen können. Einsam lebe ich die Tage, bis ich wieder bei dir bin.“
„Sonntag, den 9. Dezember. Fast zehn Wochen ist es nun, Mutter, dass du tot bist. So lange sind wir nun schon ohne dich. Wir waren schon oft einige Wochen ohne dich, wenn du im Krankenhause lagst. Aber wir hatten Hoffnung und einmal warst du dann wieder hier. Aber nun sind wir ohne Hoffnung.
Besonders schwer ist es an Heiligabend, dem Geburtstag von Elisabeth.
„Nun ist Weihnachten, Mutter!
Ohne dich, Mutter, deshalb trübe und leer.
Voriges Jahr hattest du noch so Spaß. Da hatten wir noch echte Freude. Grade in diesen Tagen fehlst du uns so sehr, weil du, die Sonne des Hauses, uns fehlt.

Die Teller waren gefüllt wie sonst, dafür sorgte ja Gisela. Aber ein Teller fehlte, Mutter, der deine. Für mich gibt es keine echte Weihnachtsfreude mehr. Meine Gedanken sind bei dir, Mutter, bei dir im Himmel. Nur bei dir, Mutter, kann ich wieder froh sein, nur bei dir.“
Seinem Tagebuch vertraut Johann seine Gefühle an, die er nach außen nicht zeigt.
Aber das Leben geht weiter. Auch für Johanns Kinder.
„Pfingsten, den 6. Juni.
Anita, Gisela und Otto stehen auf Freiersfüßen, Mutter. Du wirst es, Mutter, auch dort oben wissen und dich freuen.“
„Bald Mutter, wird es immer einsamer um mich.
Und eines Tages sind alle fort und ich bin allein.
Dann, Mutter, komme ich am besten nach dir.“
„Am 15. Mai. Und heute, Mutter, freue dich mit uns, heute feiern wir Verlobung.
Anita und Rudi Korpok aus Weidenau.

Ein Fest wird gefeiert.
Und du Mutter bist dabei.“
Verlobung
Anita und Rudi


15.5.1957
„Wir denken dabei, Mutter, an dich.
Auf deinem Grabe blühen schöne Blumen und wir besuchen dich.“
„Gib, Mutter, deinen Segen von oben für dein Kind und für Rudi.“
„Sonntag, den 22.

Die Verlobung ist schön und harmonisch verlaufen.
Die Stube war voll.
Mathilde hatte für guten Kuchen und Abendessen gesorgt. Und dann wurde bei Wein, Bier und Bowle bis zum Morgen getanzt und gesungen.“
Verlobung
Anita und Rudi

15.5.1955
„Und du, Mutter, warst
immer mitten unter uns.“
Zwei Jahre später fand dann die Hochzeit statt: Eine Doppelhochzeit, bei der direkt zwei von Johanns Kindern heirateten.
„Am 15. war dann die Hochzeit,
bei Spielmann Paul wurde gefeiert.“
„Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich der Hochzeitszug geordnet von hier zur Kirche.

Rudi – Anita,
Otto – Mia,
die Eltern,
dann die Verwandtschaft.

Ein schöner Zug bei schönem Sonnenschein.“
Doppelhochzeit
Mia & Otto, Anita & Rudi


Hochzeitszug
15.5.1957
„Trauung um 10:00 Uhr.“
„Zum Kaffee kamen die Nachbarn. Bei gutem Essen und Trinken ging auch dieser Tag vorbei. Es wurde viel getrunken und gegessen.

Gebe Gott den jungen Paaren seinen Segen.“
Doppelhochzeit
Mia & Otto, Anita & Rudi


Brautpaare
15.5.1957
„Meine Freude, Mutter, war nicht so vollständig, weil du nicht dabei warst.
Mutter, wie hättest du dich gefreut, wärest du dabei gewesen.
Vom Himmel wirst du auf die jungen Paare herabgeschaut haben und ihnen Gottes Segen erfleht haben.
Am Nachmittag haben wir alle an deinem Grabe gestanden und gebetet. Und Anita nahm Abschied von dir, Mutter, aber sie wird dich nicht vergessen.
Erflehe, Mutter, auch fürderhin Gottes Segen auf sie herab.“
Doppelhochzeit
Mia & Otto, Anita & Rudi


Hochzeitsgesellschaft
15.5.1957
„Es wird immer einsamer um mich herum,
und bald bin ich dann allein.“
Im selben Jahr heiraten auch Gisela & Paul.
Am 19. August 1965 dann auch Arnold & Christel und damit sind alle Kinder aus dem Haus und gründen ihre eigenen Familien.
Alle, bis auf Elisabeth, genannt Lisa. Sie bleibt bei Johann und kümmert sich bis zu seinem Tod um ihn.
Johann schreibt weiter regelmäßig in das Tagebuch. Und all die Jahre enden seine Einträge mit den Worten an seine Frau:
„Schlaf wohl, Mutter“.
Bis zum Ende bleibt er interessiert an der Politik und dem Weltgeschehen.

Er notiert, wer im Dorf gestorben ist, wie sich die Enkelkinder entwickeln, wann Schützenfest ist und wie es mit den Feldern und dem Grummet steht. Denn auch wenn er keine Landwirtschaft mehr betreibt:
das Wetter ist weiterhin das wichtigste Thema.
Und so sehr er auch all die Jahre immer hofft, dass er bald bei seiner Elisabeth sein würde, dauert es noch viele Jahre, bis er 1977 nach einem Sturz von der Treppe stirbt und endlich bei seiner geliebten Frau sein kann.
HEUTE
Zwar wussten einige seiner Enkel:innen, dass Johann Tagebuch geschrieben hat, aber seine ganze Geschichte konnten sie erst lesen, nachdem die Sütterlin-Schrift transkribiert wurde.
Sie lernten dadurch ihren Opa von einer ganz anderen Seite kennen und erkannten, was den strengen Großvater beschäftigte.
Johann

28.12.1975
Aus Giselas Fotoalbum: „Vater wird 85.“
Als ich, Johanns Urenkelin, sein Tagebuch zum ersten Mal las, war ich 30, genauso alt wie Johann, als er mit dem Schreiben begonnen hat. So entsteht durch Tinte und Zeit eine Begegnung, die auch mich sehr berührt.
Miriam

32 Jahre alt
3.8.2025
Johann

29 Jahre alt
13.4.1920
Seit 1996 treffen wir, die Nachkommen von Johann und Elisabeth, uns jedes Jahr am 3. Oktober zum Verwandtschaftstreffen.

Inzwischen sind sogar schon Johanns Ururenkel mit dabei.
Auch wenn sich viele von uns nur einmal im Jahr sehen – und man manchmal gar nicht so genau weiß, wie man miteinander verwandt ist – entsteht sofort eine vertraute und herzliche Stimmung.
Mit der Zeit ist nicht nur die Generation von Johanns Kindern von uns gegangen – auch einige jüngere Familienmitglieder mussten wir leider viel zu früh verabschieden.
Doch sie alle bleiben in unseren Herzen.
Wir vergessen sie nicht.

So wie Johann seine Elisabeth nie vergessen hat.
„Schlaf wohl, Mutter,
ich vergesse dich nicht,
schlaf wohl.“
IN GEDENKEN AN
Elisabeth & Johann
Brunhilde, Franz, Otto, Mia, Gisela, Paul, Lisa, Anita, Rudi, Arnold & Christel
Brigitte
Adrian, Nadja & Hanna